Jihoamerické léčivé byliny z Amazonie a Andské oblasti 

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Florasana-PuyoPeru-AmazoniePeru-mountains, EcuadorHola Vida!, Waoranis (Rio Cononaco), Suhar (Pikirischka)Quechua (Rio Curararay), Province of Pastaza

    

Seit Februar 2007 nahm der Fachangestellte unserer Gesellschaft, Miroslav Dorazil, arbeitsbezogen an einem Studienaufenthalt an der Staatsuniversität Amazoniens (Universidad Estatal Amazónica) in der Stadt Puyo, Provinz Pastaza, im ecuadorianischen Amazonien teil. Als Fachgarant hielt er den Studenten Vorlesungen im Bereich Agroindustrie, die den Bereich Biochemie zum Gegenstand hatten und leitete Laborübungen. Neben den pädagogischen Verpflichtungen beteiligte er sich an der Arbeit einer Forschergruppe unter der Leitung von Manuel Almeida Saavedra (Universidad Granma, Kuba). Die Aufgabe der Gruppe war die Grundlagenkartierung über die Anwendung von Heilpflanzen durch die einheimische Bevölkerung, ihre nachfolgende botanische Klassifizierung, das Studium und die Isolierung der Wirkstoffe sowie der Entwurf von einfachen Pflanzenheilmitteln. Die weiteren Mitglieder der Gruppe waren Marta Alessandrini Díaz (Universidad Pinar del Rio, Kuba) und Idelfonso Castañeda Noa (Universidad Central "Marta Abreu" de las Villas, Kuba). Die Arbeit schloss häufige Ausfahrten in die Urwaldgemeinschaften, Kontakte und Gespräche mit vielen Schamanen aller Indianerstämme, die auf dem Gebiet der Provinz Pastaza leben und einige Flugreisen in den tiefen, unterländischen, primären Regenwald ein. Bestandteil waren auch Vorlesungen für die einheimische Bevölkerung über Heilpflanzen und der praktische Unterricht in der Zubereitung einfacher Arzneimittelformen (Sirup, Creme, Tinktur u.ä.). Man traf hier auch auf andere tschechische Forscher, die Herren Miroslav Sebela (Mährisches Landesmuseum) und Antonin Prouza (Südtschechische Universität Budweis), die in die Provinz Pastaza im Frühling 2007 kamen, um hier die Kartierung der reichen, örtlichen Fauna fortzusetzen.

Nach der Erfüllung der Verpflichtungen und der Beendigung des akademischen Semesters traf er sich mit seinen tschechischen Kollegen. Gemeinsam begaben sie sich zum Besuch der Plantagen in den peruanischen Regenwald, auf denen die Gesellschaft Oro Verde für Ihre Klienten Heilpflanzen züchtet.

Von dieser Fahrt erlauben wir uns, Ihnen mit den Augen unseres Kollegen Erzählungen und einige interessante Bilder mitzubringen.
Die Provinz Pastaza befindet sich im mittleren Teil von Ecuador, an den östlichen Abhängen der Anden und neigt sich bis nach Amazonien bis an die Grenze zu Peru.  Als unabhängige Provinz wurde sie am 22. Oktober 1959 ausgerufen. Sie erstreckt sich auf eine Fläche von 26.088 km2, sie ist von 62.110 Einwohnern bewohnt. Die Amtssprache ist hier, wie im gesamten Ecuador, Spanisch; die Währungseinheit ist nach dem Fall der eigenen Währung im Jahr 1999 (Sucre) der amerikanische Dollar (USD). Die Hauptstadt der Provinz ist Puyo, gegründet am 25. November 1920 durch den Kolonisator Alvar Valladares. In der Stadt leben 25.362 Einwohner. Die Provinz gliedert sich in 4 Kantone (cantones), davon sind dies im Westen Mera und Santa Clara und Arajuno und Pastaza im Osten, und noch folgend 4 Stadt- und 16 Landgemeindekreise (parroquia*) wortwörtlich Pfarrgemeinden). Die Provinz grenzt im Westen an die Provinz Tungurahua, im Norden an die Provinz Napo (Grenzfluss Rio Cononaco), und weiter an die Provinz Francesco de Orellana im Südwesten, und im Süden an die Provinz Morona Santiago an, die östliche Grenze ist an der Republik Peru.  siehe Karte
Die überwiegende Bevölkerung in der Provinz Pastaza sind Indianer aus der Kultur der Quechua, neben ihnen leben hier die Angehörigen der Kulturen der Andoa,Achuar, Shiwiar, Shuar, Waorani und Zapara, aber ganz bestimmt finden Sie hier herumziehende Einzelne von weiteren Stämmen, insbesondere dann die Secoya und die Tucán, die aus dem Norden kamen. Den Rest bilden dann die Mestizen, die Weißen (Nachkommen der Kolonisatoren), die Schwarzen (aus der Provinz Esmeraldas). Interessant ist eine Lokalität im Kanton Mera mit der Bezeichnung Morava, nach dem Siedler tschechischer Herkunft, Herrn Kubes. Sie finden hier auch Spuren von deutschen Siedlern. In der Pizzeria in Puyo bediente uns einmal sogar ein Russe. Die Inhaber weiterer Pizzerien sind dann ein eingeheirateter Amerikaner und ein Italiener.  Aus ethnobotanischer Sicht ist auch die Anwesenheit des französischen Ethnobotanikers Didier Lacaze, mit dem wir uns sehr angefreundet haben. Dieser interessante Mensch lebte zuvor 15 Jahre im südperuanischen Amazonien, in dem er bereits einige Bücher mit dem Thema Heilpflanzen veröffentlicht hat.

Die Provinz Pastaza lässt sich ohne Übertreibung einerseits als sehr gering entwickelt (Sie finden hier keinen Supermarkt) bezeichnen, auf der anderen Seite als „Paradies auf Erden“, und dies vor allem dank seiner sehr schlechten Verkehrserreichbarkeit. Erst vor 5 Jahren wurde ein Tunnelnetz durchbrochen, das die Provinz entlang der hochwertigen Landstraße mit der Welt verbindet – mit der Sommerfrische Baños in der Provinz Tungurahua im Westen. Anders erreichbar ist sie nur über die schlechten Landstraßen aus dem Norden in der Provinz Napo (Stadt Tena) oder aus dem Süden aus der Provinz Morona Santiago (Stadt Macas). Nah bei der Hauptstadt Puyo in der Gemeinde Mera ist zwar ein Flughafen mit einer ausreichenden Kapazität an Landebahnen auch für große Transportflugzeuge, aber hier fliegt nichts her.  Dank dieser relativen Isolation hat sich die Provinz Pastaza nicht nur eine sehr reine und artenreiche Flora und Fauna erhalten, aber auch eine ruhige provinzielle Prägung. (Beim morgendlichen Weggehen zur Arbeit ließ ich das Fenster meiner Wohnung offen stehen und nichts ist verloren gegangen...). Der Flughafen heißt Shell, zum Andenken an die Begründer, dem Erdölkonzern, der diesen Flughafen errichtete.

 Die Universidad Estatal Amazónica wurde im Jahr 2004 als erste staatliche Hochschule, die eine qualitative Ausbildung garantiert, gegründet. Derzeit sind vier Fachrichtungen geöffnet, die eine vollständige Hochschulausbildung anbieten, die mit der Staatsprüfung und dem Erlangen des Titels Ingenieur endet. Dies sind: Agrarwissenschaft (Agropecuaria), die Bearbeitung von Landwirtschaftsprodukten (Agroindustrial), Umweltschutz (Ambiental) sowie Ökonomie und Tourismus (Turismo). Angesichts des derzeitigen Mangels an Hochschulpädagogen gewährt die Universität die personelle Besetzung vor allem auf der Grundlage der Regierungsvereinbarungen mit der Kubanischen Republik. Einige qualifizierte Pädagogen kommen vor allem aus entfernten Bergprovinzen.  Durch die verworrenen Wege des Schicksals und hauptsächlich dann in Hinsicht auf die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der Gärtnerischen Fakultät der Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft, wurde hier auch mir eine Stelle angeboten. Über die Universität können Sie hier mehr erfahren.

 Dank der Jugend der Universität und auch des eigentlichen Fehlens einer geschlossenen Konzeption eines Forschungsprogramms war es notwendig, damit zu beginnen, es gesamt ganz von Anfang an, zu realisieren. Die Arbeitsgruppe hatte aber die großen Erfahrungen der kubanischen Kollegen aus den vorhergehenden Terrainforschungen in Brasilien, Venezuela, Bolivien und hauptsächlich dann die Begeisterung und auch die sichere Unterstützung der Mitglieder des Universitätsrates zur Verfügung.

Es gelang, die Hauptziele abzustecken und die Arbeit konnte beginnen. Sie umfassten die Grundlagenforschung im Terrain, bei den Heilern, Schamanen und den Pflanzenexperten aus den einzelnen Gemeinschaften. Einige haben mit uns ihre Erfahrungen bereitwillig geteilt, andere bereits weniger. Auf jeden Fall war es bei jeder Ausfahrt zu den Indianergebieten notwendig, dies vorher dem Ältestenrat der Gemeinschaft zu melden und um seine Erlaubnis zu bitten. Dazu hatten wir zwar einen Vertrag mit der Organisation der Indianergemeinschaften, aber die Bürokratie ist eine Sache, die Realität wiederum eine andere, so dass sich als am Verlässlichsten am Ende meine Freundschaft mit dem ortsansässigen Lehrer und Touristenführer Augusto Freire gezeigt hat, der nicht nur in entlegenen Indianerlokalitäten als Lehrer arbeitete und hervorragende Voraussetzungen als Wegführer hatte. Sein Bruder bekleidete darüber hinaus die Funktion des Sekretärs auf dem Rathaus. Eigentlich ein bisschen "Protektion", aber vor allem kannte Augusto selbst sehr viele Heilpflanzen und dank seiner Kenntnisse mehrerer indianischer Sprachen, war es möglich, die Anwendung der Pflanzen durch die einzelnen Stämme zu vergleichen und sie auch botanisch einzuordnen.
Eine sehr ertragreiche Hilfe war auch das Treffen mit dem Alteingesessenen von tschechischen (tschechisch-kroatischer) Herkunft, Vlasta Kleparnik, der ein großer Enthusiast und Sammler von allem ist, das mit dem Urwald in Verbindung steht. Mit Schlangen und Spinnen beginnt er, mit jungen Indianermädchen endet er. Vlasta ist unter anderem auch ein vortrefflicher Bildhauer oder Keramiker und mit einem Wort, ein prima Gefährte. Er stellte nicht nur bereitwillig seinen Landrover zur Verfügung, aber vor allem seine Erfahrungen, Kenntnisse und Kontakte. Obwohl sein Tschechisch ein klein wenig komisch klang, in manchen Momenten war es eine paradiesische Musik.

 Den ersten längeren Ausflug arrangierte der spanische Praktikant Rodrigo Martinez Novo von der Universidad Politecnica de Valencia und mit Hilfe seiner quechuanischen Freundin Norma durften wir uns eine Woche bei ihrem Großvater in der Gemeinde Pavacachi am Fluss Rio Curaray aufhalten. Die Fahrt brachte 45 Minuten Flug mit einer Cessna in die Gemeinde San Jose de Curaray und zwei Tage mit dem Schiff einen Fluss entlang mit sich. Der Großvater Don Roberto ist ein großer Kenner von Heilpflanzen, und - im Unterschied zu anderen Indianerkulturen der Quechua - teilte er bereitwillig mit uns seine Kenntnisse und ermöglichte so, einen "Grundstein zu setzen" für das Herbarium und die Sammlungen der Universität. Wir besuchten auch mit dem Schiff die Gemeinde Lorocachi, und auf dem Weg das Naturreservat Nina Amarun, in dem sich Indianer der Kultivierung von Heilpflanzen widmen. Der nachfolgende Weg zur Gemeinschaft der Waorani (1,2 Stunden Flug auf dem Rio Cononaco) brachte nicht so viele Informationen. Die Waorani waren zu uns sehr freundschaftlich, aber außer wirksamen Gegengiften gegen die Bisse von Giftschlangen wussten sie nicht viel über Heilpflanzen. Darauf machte uns zuvor der Wegführer Augusto aufmerksam. Auf der anderen Seite war das Erlebnis des Treffens mit einem Stamm von Kämpfern, die bis heute fast nackt gehen, nicht nur für die Objektive der Touristen, intensiv und unvergesslich. Augusto zeigte uns auf dem Weg durch den Urwald Pflanze, und auch von dort verzeichnete die Universitätssammlung reiche Zuwächse. Die letzte Flugreise war der Ausflug zu den Achuar der Gemeinde Pucayacu und Motalvo südlicher am Fluss Rio Bobonaza. Über den Landweg besuchten wir einige Schamane vom Stamm der Shuar (heute machen sie aus menschlichen Köpfen sogenannte Tsantsa – ausgetrocknete Köpfe). Dank Augusto schlossen wir Freundschaft, hauptsächlich mit Don Felipe Wampasch, der sich von uns als einziger von den Schamanen daraufhin nach einer kurzen Überredung fotografieren ließ. Die Schamanen wollen für gewöhnlich nicht fotografiert werden, da sie glauben, dass mit dem Foto ihnen die Seele genommen wird. Eine Bereicherung waren auch die wiederholten Treffen mit dem shuarischen Schamanen und Heiler Antonio Sandu Andris, der auf eigene Kosten die Publikation Guia de plantas medicinales y su uso herausgab. Bei den Shuar gibt es einige interessante Sachen. Primär kannte diese Kultur niemals - im Unterschied zu den anderen Indianern - rheumatische und arthritische Beschwerden. Dies lässt sich gleich auf verschiedene Weisen erklären: Die Shuar trinken regelmäßig einen Tee aus der Pflanze Guayusa (Ilex guayusa), hauptsächlich dann bei Vollmond. Eine weitere Erklärung ist ihre regelmäßige und sehr häufige Konsumierung der Ayahuaska-Liane (Banisteriopsis caapi). Ayahuaska benutzen sie wohl für alles, zum Lösen alltäglicher Fragen, für Weissagungen der Zukunft, bei wichtigen Entscheidungen, sie geben es sogar Kindern als so etwas wie einen Schnuller, eingeweicht in Sliwowitz oder einem Tee aus Mohnköpfen. Die Frage der Bearbeitung der Tsantsa – ausgetrocknete menschliche Köpfe – ist ein wenig delikat. Ich persönlich bin nur auf einen getroffen, einem etwa hundert Jahre alten Kopf eines Missionars, ausgestellt im Museum neben dem Rathaus in Puyo. Leider war die sehr ansehnliche Begleiterin unerbittlich und das Verbot des Fotografierens gelang mir auf keine Weise zu umgehen, nicht einmal es abzuhandeln. Die Wahrheit aber ist, dass in der Zeit meines Aufenthaltes die Polizei den Verkauf von sechs menschlichen Tsantsa in der Gemeinde Palora (etwa 35 km von Puyo) als Fall bearbeitete. Ob sie schon etwas herausgefunden hatten, kam nicht in den Fernsehnachrichten, und auf Klatsch gebe ich nichts. Für Interessenten dieser in unseren Breiten ungewöhnlichen Bearbeitung menschlicher Köpfe empfehle ich das Buch des peruanischen Ayahuasker bzw. die Biographie über ihn mit dem Titel „Amazon Magic – The Life of Ayahuasquero and Shaman Don Agustin Rivas Vasquez“ von Jaya Bear. Die Beschreibung ist sehr detailliert, und er legt auch nahe, wie man sparen kann, dass sich die Holzkorken in den Ohren und Augen angeblich wiederholt verwenden lassen. Ein Problem aber kann es sein, das Material zu beschaffen...

Nach dem Brechen des grundsätzlichen Misstrauens ging alles besser, und innerhalb von drei Monaten hatten wir nahezu kein Problem, einen beliebigen Ort oder Schamanen zu besuchen, der uns interessant erschien. Es ist notwendig, zu erwähnen, dass einige der Schamanen hier auch eher „Attraktionen“ für Touristen sind, weil neben der Landwirtschaft hier auch Tourismus existiert, auch, wenn es überwiegend einheimischer ist, ein erheblicher Teil der Einnahmen der Einwohner. Interessant war auch die Anknüpfung der Beziehung zu der Kultur der Achuar. Die Achuar dürfen bis heute legal zwei Ehefrauen haben.

Wie sie dies vor „unseren zivilisierten“ Gesetzen regeln ist mir nicht gelungen, festzustellen und wie man ein Achuar wird, auch nicht. Die Landwege haben wir hauptsächlich mit einem Mietwagen von dem Eigentümer der Licoreria Puyo (sein Minibus Toyota muss wohl ein Fahrgestell wie das unzerstörbare Geländefahrzeug Hummer gehabt haben) zurückgelegt. Oder für den liebenswürdigen Beistand von Vlasta Kleparnik, der wohl in jedem Dorf irgendeine Freunde hatte, dann folgte, als die Landstraße endete, der Weg zu Fuß in den Urwald. Interessant war der Besuch der Gemeinde Hola Vida (Hallo Leben). Auf dem Weg mit Vlasta trafen wir eine wohl drei Meter große grüne Schlange, wie sie sich auf dem Weg sonnt. Alle Indianer haben uns entsetzt beschrieben, wie giftig sie sei. Nach der Beratung mit Augusto (diesen hatte tatsächlich zweimal eine ziemlich giftige Schlange gebissen), kamen wir zu dem Schluss, dass es sich um eine grüne Natter handelt. Einheimische fürchten sich vielleicht mehr vor Schlangen als wir Europäer. Wohl deshalb, da sie wissen, was Schlangengift anrichten kann...

Eine Ausnahme ist wohl nur die sehr anmutige, jugendliche Verwalterin Jenny aus dem Hotel Alto Pastaza, tief im Urwald, aber mit täglicher Autobusverbindung entlang des staubigen Weges. Auf meine Frage hin, als ich sie barfuss auf heißen Steinen tappen sah "Haben Sie hier keine Schlangen?" reagierte sie in Ruhe und mit Überblick "Da würden Sie sich wundern, wie viele von ihnen hier sind. Ich habe mich aber schon daran gewöhnt...".

Riesenschlangen hielt auch unser guter Freund und Besitzer des Reisebüros, wenn sich das so bezeichnen lässt, Luis „Lucho“ Núñez. Eine Schlange fand man einfach eines Tages bei Augusto im Garten, und er trug sie zu sich nach Hause. (Die ganze Geschichte war ein wenig länger und dramatischer, weil die Schlange gerade ihre Haut abwarf und eher wie eine sehr giftige Art der Klapperschlange aussah, als eine Riesenschlange. Er nannte sie Madonna und überall behauptet er, dass sie superzahm ist, wer weiß?

Ohne, dass ich hier etwas propagieren oder Ratschläge erteilen will, aber, falls Sie sich in den ecuadorianischen Regenwald begeben, Augusto und Lucho sind eine von den besten Varianten, wie man gleichfalls sehr viel Interessantes sehen und ebenfalls relativ ohne Schaden überleben kann. Auf jeden Fall füge ich den Verweis auf ihre Webpräsentation hinzu hier. Bei unserer Arbeit haben wir folglich ausgewählt, welche Naturheilmittel (gegen welche Erkrankung) Gegenstand unseres Interesses sein werden, in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsrat der Provinz, mit der sehr freundlichen und bereitwilligen Hilfe der Ethnobotanikerin Ximena Buitrón von der Organisation Traffic Sur und nicht zuletzt durch die Beratung mit Didier Lacaze. Angesichts des ausgezeichneten Informationsumfeldes (Bücher, Monographien, Internetdatenbanken) konnten wir bei den meisten der Pflanzen die Grundlagensuche und die Isolation der Wirkstoffe umgehen (dazu waren die Universitätslabore nicht ausreichend eingerichtet) und konnten uns in die Anfertigung einfacher Arzneimittel stürzen, die wir wortwörtlich „kniefällig" den Vertretern der indianischen Gemeinschaften lehrten, zuzubereiten. Ein interessanter Moment war auch meine zweitägige Ausfahrt in die Gemeinde in der Provinz Chimborazo, wo sich der Bergfuß des Vulkanes Chimborazo befand, etwa in der Höhe von 3.500 m.ü.M...  

Jeder Schritt in dieser Höhe machte mir ziemliche Beschwerden, und der Blick auf die Indianer, die daneben Fußball spielten, hat mich wortwörtlich aus der Fassung gebracht. Die Ankunft in der Familie meines Gastgebers Olmedo Segundo hat gleichwohl alles Leid wieder kompensiert, noch durch die erheblichen nächtlichen Temperaturen, näherte es sich dem Gefrierpunkt. Und der Sirup aus Eukalyptusblättern, den wir zum Schluss im Rahmen der Praxisübungen vorbereitet hatten, war wirklich sehr schmackhaft.

Von den „bekannten“ Heilmitteln haben wir neben anderen mit Echter Guave (Psidium guajaba L.), der Achiote (Bixa orellana L.), dem Yuka oder dem Maniok (Manihot esculenta Crantz.), der Ayahuaska-Liane (Banisteriopsis caapi Spruce), der Steppenraute (Peganum harmala L.), dem Lulo (Solanum quitoense Lam.), der Katzenkralle (Uncaria tomentosa Willd.), der Balsambirne (Momordica charantia L.), der Quebra Pedra (Phyllnthus niruri L.), dem Traubenkraut (Ambrosia arborescens), dem Yahuar Piri Piri (Eleutherina bulbosa), der Goethe-Pflanze (Kalanchoe pinnata), der Iresine (Iresine diffusa), dem Zitronengras (Cymbopogon citratus) und dem Mexikanischem Traubentee (Chenopodium ambrosoides) gearbeitet.
Wir stießen auf eine Vielzahl neuer „unbekannter“ Pflanzen, von denen einige noch auf die botanische Einordnung warten. Etwas Interessantes kann die Pflanze Dulcamara (Kalanchoe gastonis-bonnieri), die sich als Erfolg versprechendes Heilmittel gegen Krebs und chronische Erkrankungen erwies, sein. Interessant daran ist, dass diese Pflanze in Südamerika nicht üblich ist, sondern sie wurde hier im 17. oder 18. Jahrhundert eingeführt. Es ist wohl nicht der richtige Ort, auf alle anderen hier zu sprechen zu kommen, denn ich bin nicht berechtigt, hier die Arbeit der gesamten Gruppe zu präsentieren.
Neben diesen Aktivitäten widmete sich die Gruppe auch der Möglichkeit der Anwendung von Naturressourcen wie Herbiziden und Pestiziden, da die landwirtschaftliche Produktion die Haupteinnahmequelle der Bewohner in der Provinz ist. Vergeblich habe ich mich bemüht, dem Universitätsrat zu erklären, dass die Isolierung des Rotenon aus Barbasco (Lonchocarpus utilis) nicht die sparsamste ökologische Lösung sein wird. Die Marketingregeln im Sinne eines Ergebnisses um jeden Preis, diese Sinnlosigkeiten kamen auch an so gottvergessenen Orten an. Folglich flog ich ab, um meine gestressten Nerven auf den Osterinseln auszugleichen, weil die Studenten eine praktische Übung in der Herstellung hatten und erfüllten sich so einen lang gehegten Traum.
Eines der interessantesten Arbeitsthemen war dann das Projekt von Didier Lacaze, unterstützt von dem Gesundheitsministerium Ecuador, nach der Einführung der chinesischen Pflanze Artemisia annum [Anm.: Einjähriger Beifuss] als Erfolg versprechendes Antimalarikum. Nach Jahren der Anwendung zeigte sich nämlich, dass einige der Stämme der Plasmodien bereits gegen das nachgewiesene Chinin resistent sind. Malaria ist hier neben den Amöbeninfektionen eine der häufigsten Todesursachen.  Die Pflanze war bereits mit Erfolg in die afrikanischen Bedingungen eingeführt worden, da man dort bereits aktive Bestandteile isoliert hat und dient als erfolgreiches Antimalarikum. Das gesamte Projekt ist jedoch so umfangreich, dass meine Zeit bei weitem für seine Realisierung nicht ausreichte. Wenigstens konnten wir Erfahrungen austauschen, und ich habe einen Grund, in die Provinz Pastaza zurückzukehren.  Didier ist neben den ewigen Pflanzenstudien ein geübter Hersteller von Tees, Tinkturen und Salben aus Kräutern. Einige von ihnen, bemühen wir uns, für die Europäische Union genehmigen zu lassen und zu importieren. Für alle Fälle führe ich den Verweis auf seine Webpräsentation hier auf. Unbestritten lohnt sich auch die Erwähnung des Treffens mit zwei tschechischen Biologen, Mirek Sebela und Tonicek Prouza, den alten und erfahrenen Plänklern durch die Regenwälder gesamt Südamerikas. Diese zwei Enthusiasten verschwanden immer irgendwo tief im Urwald, ausgestattet mit einer Menge an Fläschchen, Schächtelchen, Netzen und weiterer nützlicher Ausstattung zum Sammeln von allem, das sich bewegt. Das Motiv dieser Touren war die Bemühung, eine bislang unbekannte Vogelart zu identifizieren, die sie bei der Filmvorführung der vergangenen Tour wahrgenommen haben. Das Ziel war nichts Bemühenswerteres als das entfernteste und am wenigsten bewohnte Gebiet östlich von Pastaza bis an die Grenze zu Peru. Interessant war ihre Methode des Fangens von Schmetterlingen, Faltern und allem Fliegenden. In der tiefen Nacht setzten sie sich irgendwohin (am liebsten hatten sie die Brücke über den Rio Pastaza), und als Lichtquelle spannten sie ein Bettlaken. Das Licht zog die Fluginsekten an und die Jünglinge hatten eine entomologische Ernte. Mit ihrer Entscheidung, mit Hilfe von zwei Ästchen die stark giftige Harlekin-Korallennatter zu fangen und sie in eine leere Wasserflasche zu befördern, einfach aus dem Grund, dass sie sie in den Sammlungen noch nicht haben, aber dies gleichmachen kann ich wirklich nicht. Ausgestattet mit Schlafsäcken in den eingehängten Netzen als Moskitoschutz verschwanden sie eines Tages einfach leise und in 14 Tagen tauchten sie wieder auf.  Das echte Tschechentum verleugnen sie nicht und den bedienenden Jüngling in der Pension in Mera, in der sie zwei Nächte vor dem Abflug schliefen, verließen bereits alle Kräfte, als er für sie wegen Bier lief.  Am nachfolgenden Tag passierte es beinahe, dass ihnen ihr bestelltes Flugzeug fast ohne sie abgeflogen wäre, dann hatten sie wieder eine Panne, halt einen Tag hin, den anderen Tag her, mañana....

An der Universität verflog das Semester im Nu. Alle meine Studenten hatten die Abschlussprüfung erfolgreich abgelegt, die meisten mit der maximalen Punktzahl. Ich weiß nicht, ob sie so gut waren, oder ich so weich, auf jeden Fall haben sie etwas gelernt.

Der Abschiedsabend war fröhlich und gleichfalls ein trauriger Punkt hinter diesem Kapitel.

Über die Gruppenarbeit hat Marta Alessandrini Diaz als unseren bescheidenen Beitrag eine detaillierte monographische Publikation aufgesetzt. Die Broschüre können sie in spanischer Sprache im PDF-Format hier lesen. Danach kontaktierten mich zwei tschechische Kollegen aus der Firma, und nach einem zweiwöchigen Kennenlernen von Ecuador (in so einer kurzen Zeit habe ich ihnen nur einen Bruchteil der Schönheiten dieses Landes zeigen können), brachen wir über Kolumbien nach Peru auf.

 Nach der Ankunft der Freunde in der Hauptstadt Lima, dem Absolvieren unerlässlicher Höflichkeiten und Besuche, besuchten wir einige ethnobotanische Grundsammlungen und Herbarien in den Bergen (Cuzco, Juliaca) und nach einer kurzen Pause begaben wir uns in der Begleitung unseres peruanischen Gefährten, Cesar Barriga, in den Regenwald. Zuerst haben wir die Plantagen besucht, auf denen wir Pflanzen wie die Katzenkralle (Uncaria tomentosa Willd.), Drachenblut (Croton lechleri Muell.  Arg.), Jergon Sacha (Dracontium loretense Engl.), Chanca Piedra-Blätter (Phyllanthus niruri L.) und andere züchten. Sie befinden sich im Gebiet des Rio Ucayali in der indianischen Gemeinschaft der Shipibo-Conibo in der Lokalität mit dem prosaischen Namen Vista alegre, also "Freudiger Anblick". Eine Bezeichnung, die wenigstens zur Realität passt. Nach einem mehrtägigen Aufenthalt, der eher die Kommunikation mit den indianischen Züchtern und die Besichtigung der Plantagen beinhaltete, kehrten wir in einem Kanu in die Hauptstadt der Provinz, Pucallpa, zurück, in der wir auf den wertvollen Rat der ortsansässigen Mediziner und Heiler hörten und auch die Universidad Nacional de Ucayali besuchten. Nach dem Besuch des lokalen botanischen Gartens folgte der Marsch in das amazonische Zentrum Iquitos, einer multikulturellen Stadt, zusammen mit dem brasilianischen [Hafen] Manaos, dem Phänomen Amazoniens, auch dank des Kautschuk- und des Barbasco-Booms in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Hier haben wir als Höhepunkt Ratschläge erhalten,  dem Erhalten des Wertvollsten. Neben dem Besuch bei dem Schamanen und Ayahuasker Don Pedro Guerra Gonzales in Tamshiyacu, folgten Besuche an der Universidad Nacional de la Amazonia Peruana, danach der Empfang im EsSalud durch den Chefarzt und Freund, Roberto Inchastegui Gonzales, der unstrittig zu den Wegbereitern in der Heilung von AIDS, Krebs und anderen Zivilisationskrankheiten durch Pflanzen gehört. In den ruhigen Winkeln des wunderschönen botanischen Gartens hatten wir ausreichend Zeit zum Kennenlernen neuer Pflanzenarten und auch zum Aufnehmen grundlegender Informationen zur Heilung von welcher Erkrankung sie sich anwenden lassen. Sehr freundschaftlich war auch das Treffen mit den jungen Pharmaziestudenten, die im Garten mehr Zeit verbringen als in den Laboratorien. Undenkbar war es, die angekündigten Märkte im Viertel Belém nicht zu besuchen, auf denen Sie neben den üblichen Lebensmitteln vielleicht alle Heilpflanzen und Salben gegen alle Gebrechen dieser Welt und einer Menge anderer interessanter Sachen besorgen können. Für einen guten Geschäftserfolg bot mir zum Beispiel eine Marktfrau den Kopf einer Riesenschlange. Ich mag jedoch diese Schlangen gerne, und darüber hinaus, was würden die Naturschützer dazu sagen? Wir besuchten auch mit dem Schiff eine Lagune mit der Pflanze Victoria regia [Riesenseerose], selbstverständlich ohne Geldbörsen, Uhren und in Begleitung starker, ortsansässiger Freunde. Die Lagune ist nämlich in einer von den „echten“ Slumsiedlungen.

Ein besonderes Ereignis und Bonbon war dann der Aufenthalt auf einem Markt mit Smaragden im kolumbianischen Bogota, der Ausflug auf den aktiven Vulkan Cotopaxi (bis zu einer Höhe von 4.700 m.ü.M. lässt es sich mit dem Auto hinauffahren) und danach wieder zurück nach Europa.
Mir persönlich ist das Flugzeug aus Quito davon geflogen, das ich als Zeichen des Schicksals sah, dass ich nicht zurückkehren sollte. Leider hatte ich 14 Tage darauf einen Termin für die Staatsprüfungen in Lednice in [der Region] Mähren. Wenigstens lege ich dies also als ein Zeichen des Schicksals aus, dass ich auch beim nächsten Mal ein willkommener Gast bin. In ein paar Jahren werden viele junge Ingenieure in der Provinz Pastaza sagen: Biochemie? Die hat uns ein Tscheche beigebracht, der sich für Heilpflanzen interessiert“. Eine weitere Einschätzung überlasse ich vollständig ihnen.
Die Schlussfolge?

Neben einer Menge an Erlebnissen und Informationen, die wir gezwungen waren, in einem recht kurzen Zeitraum aufzunehmen, und neben einer Menge persönlicher Freundschaften, die ich aus diesem herrlichen Winkel der Erde mitbringe, sind für mich zwei Momente am allerwichtigsten: Menschen verschiedener Völker, Hautfarben, Kulturen und Sprachen und was immer Sie noch möchten, sind in der Lage, sich nicht nur zu verständigen, sondern sich auch zu verstehen, sofern auf beiden Seiten der Wille vorhanden ist und auch, dass unsere Arbeit einen Sinn hat und es einen Sinn hat, mit ihr fortzufahren. So wie in einem aktiven Kampf um die Rettung des Regenwaldes, nicht nur den Lunge des Erdballs, aber auch den erstaunlichsten chemischen und pharmazeutischen Fabriken, die jemals die Welt gesehen hat.



Obwohl ich dieses dümmliche breitspurige amerikanische Geschwätz nicht mag, halte ich es hier für angebracht, meinen Dank für meinen ecuadorianischen Aufenthalt auszudrücken



Arturo Boffil von der UEA (Kuba) – dem Universitätskoordinator
für das brillante menschliche Herangehen und für die selbstlose Freundschaft
Manuel Almeida Saavedro (Kuba) – dem Leiter unserer Arbeitsgruppe
für dasselbe
Marta Alessandrini Díaz (Kuba) – meiner diensteifrigen Kollegin
für dasselbe und darüber hinaus für die herzliche Adoption, mit der sie mich empfangen hat
Idelfonso Castañed Noa (Kuba) – dem Freund und Botaniker
für dasselbe und für die professionelle botanische Hilfe und den Überblick
dem Kollektiv der kubanischen Pädagogen
für das tiefe menschliche Herangehen und der Vereinfachung meiner Anpassung
den Mitgliedern des Universitätsrates der UEA
für die Möglichkeit, dies oben aufgeführte erleben zu dürfen
Augusto Freire – dem Wegführer und Freund
für die professionellen Dienste, die selbstlose Freundschaft und die tiefe Lebensphilosophie
Rolando Luis Núñez – dem Wegführer und Freund
für dasselbe und die ausgeliehene Schlange Madonna und den 20 Jahre alten Landrover
Don Rafiko – dem Eigentümer der Licoreria Puyo
neben dem oben aufgeführten auch für das ausgeliehene Auto mit dem Panzerfahrgestell und der steten Anfuhr guter Getränke
Vlasta Kleparnik – dem jüngsten Rentner tschechischer Herkunft im Urwald
für die tiefe Freundschaft, die selbstlose Hilfe und die ewigen Späße
Didier Lacaze – dem Ethnobotaniker
für die Freundschaft, das Ermöglichen der Realisierung meines Projektes, die Anbindung an seine Projekte
Ximena Buitrón – der Ethnobotanikerin
für die vielen wertvollen Ratschläge, die Kontakte und die wirksame Hilfe
Martita Vallejo – meiner langjährigen ecuadorianischen Freundin
für die ersprießliche Hilfe, die langjährige Freundschaft und das sehr praktische Herangehen bei der Lösung meiner Probleme
Mirek Šebela a Toníček Prouza – den tschechischen Biologen
für die Freundschaft, die angenehme Kurzweile beim lokalen Bier und vielen wertvollen Ratschlägen
Karel Vašut – dem tschechischen Unternehmer in Guayaquilu
für die Freundschaft und die Vermittlung des Kontaktes mit der Zivilisation, den Ausflügen ans Meer und das gekühlte Bier
Honza Brody – dem tschechischen Fastrentner mit dem Geist eines Jungen und 20jähriger Geschichte in Ecuador.
für das väterliche Herangehen und die eigentliche Organisation des gesamten Aufenthaltes
Don Felipe Wampasch – dem Schamanen aus der Gemeinde Pikirischka
für die Einführung in die geistige Welt der Pflanzen, Tiere und der feinen Darstellung aller Zusammenhänge
den Studenten des anderen Jahrganges des Bereiches Agroindustrie, aber auch allen anderen Studenten der UEA
für das Verstehen meines Spanisch und die vortreffliche Zusammenarbeit
Sandra, Jenny, Genny, Jacquelin und allen hübschen Mädchen
für ihr Lächeln und das liebenswürdige Herangehen
allen Indianern
dafür, dass sie zu mir waren wie sie waren
und nicht zuletzt Chullachaquimu – dem führenden Geist der Retter des Urwaldes,
dass sie mich neben dem Erkennen ohne Schaden den gesamten Aufenthalt überleben ließen
und allen anderen, für die hier kein Platz war, aber die ich in mir und meinem Herzen trage

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